Skip to main content

Sex als Waffe

Autor: Dr. Wassil Nowicky
Veröffentlicht in „Ukraina Moloda“ (Junge Ukraine) 19.11.1998

Seit mehr als einem Jahr behaupten die Massenmedien und zwingen diese Meinung der amerikanischen Gesellschaft auf, dass der Präsident kein Recht hat, Gentleman zu sein.

Die europäische Öffentlichkeit war empört und schockiert, nicht so über das, was Herr Clinton gemacht hat, sondern vielmehr wie entsetzlich die sogenannten Moralisten diese Geschichte genießen. Offensichtlich hat Amerika keine anderen Probleme und Sorgen. Vielleicht ist wirklich die Frage ob Oralsex ein wirklicher Sex ist, wichtiger als die soziale Ungerechtigkeit, die steigende Kriminalität und Naturkatastrophen.

John F. Kennedy ist jetzt Amerikas Nationalheld, Straßen und Plätze wurden nach ihm benannt. Es wurde ihm eine ganze Reihe Auszeichnungen verliehen. Mit seinem unermüdlichen Engagement hat er die damals katastrophale Kluft zwischen Armen und Reichen in Amerika verringert. Es hat aber auch solche gegeben, welche das alles irritiert hat. Es ist doch viel leichter, Arme und Unterdrückte auszurauben als Wohlhabende und Selbstbewusste.

Zur Zeit Kennedys – die Zeit der Studentendemonstrationen am Vorabend der sexuellen Revolution - konnten die Liebesaffären des Präsidenten kein ausreichender Grund für seine Amtsenthebung sein, sie hätten nicht die für seine Feinde nötige öffentliche Reaktion hervorgerufen. So wurde eine andere Methode gewählt – er wurde einfach ermordet. Jedoch hat die Praxis gezeigt, dass ein Mord dessen Auftraggebern zu viele Probleme bereitet. Als viel besser hat sich eine alte geprüfte Methode erwiesen: Leute mit Hilfe von Sex zu manipulieren. Um diese Waffe benutzen zu können, muss man zuerst mit der Liberalisierung von Sex aufhören. Man muss den Leuten erklären, dass Sex kein natürliches Gefühl und eine Glücksquelle ist, sondern etwas Unzüchtiges und Teuflisches. Natürlich gibt es in jeder Gesellschaft eine Gruppe von Leuten, für welche das Sexfreudegefühl fremd ist. Mit aktiver Unterstützung solcher Gruppen wird die Herrschaft der Doppelmoral in die Gesellschaft eingeführt. So werden Personen, die sonst nur Mitleid erwecken sollten, zu Vorbildern und fast schon Helden hochstilisiert und jene, die nicht nur außergewöhnliche Intelligenz, sondern auch eine überdurchschnittliche Sexualität haben, sind in einem erbitterten Konflikt mit der Doppelmoral. Diejenigen, welche auf Grund ihrer Ehrlichkeit und gesundem sexuellen Trieb dem aggressiven Puritanismus und der Doppelmoral nicht nachgeben können, landen häufig in psychiatrischen Anstalten.

Manipulieren des menschlichen Bewusstseins war immer eine der wichtigsten Besonderheiten von totalitären Regimen. Am besten gelingt es, wenn man einen grundlegenden natürlichen Instinkt, den sexuellen Trieb, ausnützt. In den USA wurden allmählich die Gesetze und die gesellschaftlichen Regeln geändert und jetzt ist Sex nach Ansicht der amerikanischen Massenmedien das größte Verbrechen, ein echtes Tabu. Ein Kompliment einer hübschen Frau gegenüber, wird als sexuelle Belästigung eingestuft. Eine freundliche Geste, einer Frau die Hand auf die Schulter zu legen, hat einigen Männern bereits Entschädigungen in Millionenhöhe „für zugefügten moralischen Schaden“ gekostet.

Wie sein großer Vorgänger John F. Kennedy, setzt auch Präsident Clinton die Politik des politischen und wirtschaftlichen Fortschritts fort. Auch er bemüht sich, die Armut in seinem Land zu bekämpfen. Das gefällt offensichtlich nicht allen. Es gibt keinen Zweifel, dass jemand die Macht übernehmen und Präsident Clinton als politische Figur vernichten wollte.

Ist es ethisch vertretbar, einen Gentleman zu zwingen, öffentlich Details über sein intimes Verhältnis mit einer Frau preiszugeben. Hätte Clinton den Forderungen, die die Mächtigen der Welt stellten, leichter nachgegeben, so hätte niemand den Ursprung des Flecks auf Lewinskys Kleid erfahren. Sogar für jemanden, der keinen Einblick hinter die Kulissen der Ereignisse hat, ist die sorgfältige Planung der ganzen Aktion verblüffend.

Der Autor dieses Artikels war oft in den USA und hat dieses Thema mit vielen Leuten besprochen. Auch jene, die bei der Präsidentenwahl nicht für Clinton gestimmt haben, waren über die gegen ihn geführte schmutzige Kampagne empört. Doch waren alle Bemühungen des Autors, einen diesbezüglichen Brief in der amerikanischen Presse zu veröffentlichen, vergeblich.

Vielleicht betrifft das nur die Europäer und die Amerikaner sind anderer Meinung? Falls nicht, dann trauen sie sich vielleicht einfach nicht, ihre Meinung in den Massenmedien zu veröffentlichen. Sollte auch das nicht stimmen und es liegt einfach an den amerikanischen Zeitungen, welche nicht bereit sind, die Briefe ihrer Mitbürger zu veröffentlichen, welche ihre Meinung nicht teilen, was ist dann mit der amerikanischen Presse los? Ist diese ganze schmutzige Geschichte nicht Zeugnis für den echten Zustand der Pressefreiheit in den USA?